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Balanceakt zwischen Studium und Sport Drucken
  Das Interview führte Julia Boxler.   
Freitag, 3. Februar 2017
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Der Generalkonsul Jörn Rosenberg (Mitte) empfängt die deutschen Sportlerinnen und Sportler zum Universiade-Beginn. | Foto: Deutsches Generalkonsulat Almaty
Selten trifft man junge Frauen im Vorstandsvorsitz von Institutionen oder Verbänden. Dr. Katrin Werkmann ist mit ihren 33 Jahren frisch gebackene Vorstandsvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Hochschulverbandes (adh) und zum ersten Mal dabei bei einer Universiade. Ihre Funktion für den adh ist ehrenamtlich, im Hauptamt ist sie Leiterin des Hochschulsports an der Goethe-Universität in Frankfurt. Die DAZ sprach mit ihr zum Universiade-Empfang des deutschen Generalkonsulats über die Weltspiele der Studierenden, den Verband und Wintersport.

 

Frau Werkmann, sind Sie das erste Mal in Almaty?
Ich bin das erste Mal in Almaty und Kasachstan. Für mich persönlich ist es auch die Universiaden-Premiere, da ich erst seit November die Vorstandsvorsitzende des adh bin. Also ganz frisch im Amt, daher ist alles für mich hier sehr aufregend und neu.

Wie empfinden Sie die Universiade? Ist sie strukturell und logistisch gut organisiert?
Da es die Erste für mich ist, habe ich keinen Vergleich. Aber was ich von meinen Kollegen höre, unter denen einige schon das 20. Mal an Universiaden teilnehmen, ist es einmalig für die Winterausgabe, dass es ein Athletendorf gibt. Normalerweise sind die Athleten oder die Delegation in Hotels untergebracht, so sind wir alle recht weit verstreut. Durch das Athletendorf kommt man an einem Platz zusammen. Die Sportler treffen sich morgens beim Frühstück, tauschen sich im Fitnessraum oder Schwimmbad aus, trainieren gemeinsam. Dadurch entsteht eine Begegnungsstätte außerhalb der eigentlichen Wettkämpfe und Sportstätten.

Seit November 2016 im Vorstandsvorsitz, leitet Katrin Werkmann die deutsche Delegation bei der Universiade 2017 in Almaty. | Foto: Julia BoxlerWie kommt es, dass es eine Art Jugendversion der Olympiade gibt, warum diese zwei Großereignisse?
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den Leistungssport im Fokus und der Weltverband des internationalen Hochschulsports (FISU) greift gesondert die Studierenden heraus. Studierende Leistungssportler haben eine andere Belastung. Sie bringen sowohl im Sport als auch im Studium ihre Leistung. Diese Athleten haben ganz bewusst die Entscheidung für ein Studium getroffen und nehmen die Doppelbelastung in Kauf, um auf das Leben nach dem Sport vorbereitet zu sein.

Die deutsche Delegation zählt 29 Sportlerinnen und Sportler. Wie qualifiziert man sich für die Universiade?
Es gibt für jede Disziplin bestimmte Kriterien, die ein halbes Jahr zuvor veröffentlich werden. Diese Qualifikationskriterien erstellen wir im Vorfeld in Abstimmung mit nationalen Spitzensportverbänden in Deutschland, wie z.B. den Ski-, Curling– oder Eiskunstlaufverband. Wir gehen natürlich auch auf diese Verbände zu und fragen nach, wer aus dem Nationalkaderpool Studierender ist und für die Universiade infrage kommt. Die Spitzensportverbände geben, entsprechend der zuvor festgelegten Kriterien, ihre Empfehlungen zur Universiade-Nomination an den adh.

Alle die hier Teilnehmen sind also Sportstudenten?
Nein, sie müssen nicht unbedingt Sport studieren. Wir haben ein breites Feld, von z.B. Sport, Lehramt, Umwelttechnik, Medizintechnik, Ingenieurswesen, Germanistik uvm.

Machen Teilnehmer nach der Universiade auch Olympia-Karrieren?
Die Universiade ist eher die Plattform der Nachwuchssportler, die später bei den olympischen Spielen starten sollen. In der deutschen Delegation haben wir auch eine Athletin dabei, die bereits bei den letzten olympischen Spielen im Eiskunstlauf vertreten war, und sich dennoch bewusst für ihren Antritt bei der Universiade entschied. Sie möchte die außergewöhnliche Atmosphäre und auch den Spaß dieser Veranstaltung gern nochmal erleben.

Wie entscheidet der Verband welche Sportarten man mannschaftlich abdeckt? Es gibt z.B. keine deutsche Eishockey-Mannschaft.
Das liegt daran, dass bestimmte Sportarten in Deutschland zu professionell sind und es da keine Studierenden gibt. Beispielsweise sind die in Frage kommenden Eishockey-Spieler in Deutschland alle bereits Profis, die nicht studieren. Beziehungsweise studieren sie im Ausland, wie USA oder Kanada, sind aber immer noch zu wenige für eine Nationalmannschaft. Wir würden am liebsten alle Sportarten abdecken, aber bei manchen Sportarten – so wie bei den Olympischen Spielen auch – gibt es einfach nicht die geeigneten Sportler dafür.

Wie bereitet sich eine Mannschaft auf die Universiade vor?
Die Sportler trainieren das ganze Jahr und die Universiade ist dann ihr Top-Wettkampf.

Waren sie zuvor da, um das Gelände zu testen?
Wir haben gestaffelte Anreisen. Die Langläufer sind im Voraus angereist und haben auch schon in den Bergen den Schnee getestet. Es gibt ein offizielles und ein inoffizielles Training – die Sportstätten öffnen nach und nach. Die Skisprungschanze öffnet auch erst morgen. Die Alpinskifahrerinnen reisen auch erst später an, da es im zuvor zu wenige Trainingsmöglichkeiten gab. Sie haben z.T. zuhause vor Ort noch bessere Trainingsbedingungen, weil hier die Pisten schon für die Wettkämpfe präpariert werden.

Wie bereitet sich der adh für den biennalen Event vor?
Für uns ist eine Universiade immer etwas Besonderes. Die intensiven Vorbereitungen fangen schon ein dreiviertel Jahr zuvor an. Es ist ein großer Arbeitsaufwand, der viel Bürokratie, Organisations– und Logistik-Aufgaben umfasst. Besonders die logistischen Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen, denn gerade im Winter ist viel Wettkampfequipment dabei. Bei nordischer Kombination hat ein Sportler zum Beispiel zwei große Skisäcke für Sprung– und Langlaufski, drei Sprunganzüge, verschiedene Schuhe und anderes Equipment dabei. Da kommt einiges an Sperrgepäck zusammen.

Welche Erfolge erwarten sie von der Mannschaft? Was wünscht man sich?
Wir haben ein sehr junges Team dabei und sehen uns als Nachwuchsmannschaft. Nur vier von den Athleten waren bereits vor zwei Jahren bei einer Universiade dabei, die anderen sind Neulinge. Wir zählen nicht die Medaillen, für uns und unseren Förderer Bundesministerium des Innern zählt der Gedanke der Finalplatzierung. In den vergangenen Jahren haben wir es geschafft, dass 80% unserer Athleten unter die Top 8 gekommen sind.

Wer sind die Medaillenzähler unter den Nationen? Sind das die üblichen Verdächtigen, wie bei Olympia?
Ja, Russland wird wieder vorne sein, auch die USA. Sie haben auch die größten Teams dabei und werden am Ende auch im Medaillenspiegel am weitesten vorne stehen.

Wie kommt es, dass in Deutschland erst einmal eine Sommeruniversiade (Duisburg, 1989) ausgetragen wurde?
Natürlich kostet so ein Event eine Menge Geld und da sind deutsche Politiker eher zögerlich. Aber was die Entsendung zu Meisterschaften weltweit angeht, ist die Unterstützung immer da. Aber so etwas im eigenen Land vor Ort zu stemmen, ist es noch einmal eine ganz andere Angelegenheit. Man sieht auch an der Entwicklung der Austragungsorte der letzten Universiaden oder auch Olympischen Spielen, dass der Trend in Richtung postsowjetischen und asiatischen Raum geht.

Was ist das Steckenpferd der deutschen Delegation in Sachen Wintersport?
Dadurch, dass die Mannschaft jung ist, kann man das nicht immer voraussagen, wer am Ende durchstartet. Ich denke aber, dass die nordisch Kombinierer gut abschneiden werden. David Welde, zum Beispiel, gewann bei der letzten Universiade zwei Einzel– und eine Mannschaftsmedaille. Er ist sicher auch dieses Mal ein Medaillenprätendent.

Was hat das mit dem Sportphänomen Curling auf sich?
Ich bin selbst leider auch keine Curling-Expertin (lacht). Aber wir haben dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt eine deutsche Curling-Mannschaft dabei! Ich wünsche unserem super Mädels auf jeden Fall viel Erfolg!

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Julia Boxler.

 

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