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Wein ist eine Liebeserklärung aus der Natur Drucken
  Dr. Renate Schimkoreit, GK Almaty   
Donnerstag, 1. Oktober 2015
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Bild: picture alliance/dpa, ©dpa
In Mitteleuropa wird seit über 2000 Jahren Wein angebaut. Tatsächlich ist die Gattung der Reben wesentlich älter. Erste wilde Reben konnten sogar in Millionen Jahre alten Fossilien gefunden werden. Kerne von kultivierten Reben fanden sich in Georgien oder in der Türkei und belegen, dass bereits vor ca. 8000 Jahren Menschen sich mit dem Anbau von Weinreben befassten.

 

Bild: picture alliance/dpa, ©dpaDie älteste Kelteranlage, die bislang gefunden wurde, stand im heutigen Iran und ist runde 7000 Jahre alt. Tatsächlich kann das antike Persien als Ursprungsland des Weines vermutet werden.
Bald fand dieses berauschende Getränk seinen zentralen Platz in den frühen Kulturen der Menschheit: Griechen und Römer nannten es „Getränk der Götter“ und in ihrer Mythologie gab es für den Wein spezialisierte Götter – Dionysos und Bacchus.
Über Jahrtausende hinweg und bis heute hat der Wein seine Bedeutung für das soziale und rituelle Leben beibehalten: Er war Symbol vergossenen Blutes, Grabbeigabe und Opfertrank, aber auch Spender von Lebensfreude, in vielen Kulturen und Religionen unverzichtbares Element bei Festlichkeiten.
Schon im Hochmittelalter war Wein nicht mehr nur für die wohlhabenden Schichten verfügbar, sondern wurde zu einem wichtigen Handelsgut. Die Anbaugebiete vergrößerten sich, immer neue Weinsorten kamen auf den Markt und man begann, nicht mehr primär auf die Wirkungsweise (etwa ‚gesundheitsfördernd‘) dieses Getränks abzustellen, sondern sich mit der Verbesserung des Geschmacks zu befassen.
Wein zählt also – das kann man mit Fug und Recht behaupten – zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit.
In der Gegenwart haben sich zwar einige der ursprünglichen Funktionen des Weins erhalten, doch im Wesentlichen ist Wein heutzutage ein Genussmittel. Weinliebhaber und Weinproduzenten – insbesondere in den Weinanbaugebieten Europas – pflegen das Kulturgut Wein mit mannigfaltigen Festveranstaltungen, Weinseminaren oder Weinkonventen. In Deutschland wird seit 1954 sogar jährlich der „Deutsche Weinkulturpreis“ verliehen an Künstler, die sich für die Weinkultur auf die eine oder andere Weise verdient gemacht haben. Federführend für diese Ehrung war das Bundesland Rheinland-Pfalz – das gleichzeitig meine Heimatregion ist und die ich hier – stellvertretend für die anderen herausragenden Weinregionen in Deutschland – etwas näher betrachten will.
Bild: picture alliance/dpa, ©dpaDie Pfalz, das Rheingau und Rheinhessen liefern wunderbare Weine. Hier werden die besten Weinbergslagen kultiviert – auf Böden, die für diese besonderen Qualitäten die Voraussetzungen liefern. So gedeihen die bekannten Rieslinge und Burgunder auf Löss, Kalkstein, Sandstein, Basalt oder Schiefer. Mindestens ebenso wichtig ist das milde Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 11 Grad. So stehen allein in den Prädikatsweingütern der Pfalz über 3 Millionen Rebstöcke, aus denen jährlich 5 Millionen Flaschen Wein und Sekt gewonnen werden.
Wein ist in der Pfalz überall präsent. Es ist nicht nur die Flüssigkeit in der Flasche, die man womöglich im Supermarkt kauft. Auf die Idee käme auch kaum ein Pfälzer; Wein holt man sich idealerweise direkt beim Produzenten, beim Weingut ab.
Man lebt mit den Reben, wie es heißt. Die zahlreichen Weindörfer liegen mitten in den Weinanbaugebieten und der Jahresrhythmus orientiert sich an den Bedürfnissen des Weines. Mit Frühlingsbeginn werden die Weinstöcke gehegt und gepflegt. Nähert man sich dann der Zeit der Ernte – beim Wein sprechen wir von „Lese“ –, dann gilt es, die reifen Trauben zu schützen. Sowohl vor hungrigen Vögeln als auch vor dem Appetit der menschlichen Zweibeiner.
Die Weinlese erfolgt in mehreren Zeitabschnitten-, abhängig davon, welcher Wein entstehen soll und welchen Reifegrad man dafür benötigt. Deshalb zieht sich die Weinlese über mehrere Monate hin. In der Regel beginnt sie Mitte August/Anfang September. Manche spätreifenden Sorten – wie Riesling – können auch noch Mitte bis Ende Oktober geerntet werden.
So entstehen Begriffe wie „Spätlese“ oder „Auslese“. Am längsten hängen die Trauben für die sogenannte „Trockenbeerenauslese“ oder gar den „Eiswein“ (dafür müssen die Trauben dann mindestens einen ordentlichen Frost mitbekommen) am Rebstock. Die letztgenannten Weinsorten sind zwar sehr kostbar und daher sehr teuer, aber ganz entschieden auch Geschmackssache. Es handelt sich dabei um Dessertweine mit einer erheblichen Süße und relativ hohem Alkoholgehalt. Für die großflächigen Weingebiete werden mittlerweile spezialisierte Erntemaschinen eingesetzt, aber Spitzenweine werden immer noch per Hand gepflückt, um so eine bessere Selektion der Trauben erreichen zu können.
Schon ab Juli beginnt traditionell die Saison der zahlreichen Weinfeste. Jeder Ort veranstaltet ein solches Fest, bei dem Wein zu Pfälzer Hausmannskost getrunken wird – und erstmalig der neue Wein verkostet wird. Der ganz jung gekelterte Wein ist zunächst noch trüb, süß und hat relativ viel Kohlensäure – wir sagen: er „bitzzelt“. Bekannter ist er unter dem Namen „Federweißer“. Es ist ein gefährlicher Tropfen, denn insbesondere Neulinge unterschätzen schon mal seine Wirkungskraft.
Nun nimmt der vom Wein geprägte Veranstaltungskalender Fahrt auf. Einer der Höhepunkte ist der „Dürkheimer Wurschtmarkt“, bei dem trotz des Namens nicht etwa die Wurst im Mittelpunkt steht, sondern der Wein. Man kann es auch so sagen: Was dem Biertrinker das Oktoberfest ist für Weinliebhaber eben der „Wurschtmarkt“.
Über Wein gäbe es noch sehr viel zu erzählen; eine Weisheit jedoch sollte man sich merken und in Deutschland ist sie schon fast ein geflügeltes Wort – denn tatsächlich hat Johann Wolfgang von Goethe ganz richtig gesagt: „Das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken“.
 

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