| Die Wolff-Dynastie: Von Warschau über St. Petersburg bis Berlin | | Drucken | |
|   von Erika Voigt | |
| Donnerstag, 15. Juli 2010 | |
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/Bild: pixelio. 'Polnische Werke, russische Literatur, technische Handbücher – der Verlagskatalog der Bücherei Wolff schien unendlich.'/
Mehr über die Geschichte der Familie Wolff sowie über die Entstehung beider namhafter Buchhandlungen in St. Petersburg und Berlin erfährt man aus der Jubiläumsschrift von 1981 des Hauses „Wolff’s Bücherei“ von der Urenkelin des Gründers, Katia Wagenbach-Wolff. Dostojewski als Stammgast
Vier Jahre bot Wolff in den russischen Westgebieten Bücher zum Verkauf, dann ließ er sich in St. Petersburg nieder, zuerst als Gehilfe der Buchhandlung Isaak am Newski Prospekt. Das eigene Interesse lag jedoch nicht nur im Vertrieb von guter Literatur; es folgten bald auf eigene Kosten herausgegebene Bücher in polnischer Sprache, vor allem belletristische Literatur der Mickiewicz-Epoche, insgesamt waren es 150 Titel. Mit dem erworbenen Gewinn konnte Wolff eine eigene Buchhandlung begründen, seine „librairie universelle“, die er 1853 am Newski Prospekt eröffnete. Mehr als nur Belletristik
Als nach der Niederschlagung des polnischen Aufstandes von 1863 die russische Zensur den Druck von polnischer Literatur ganz unmöglich machte, wandte sich Wolff mehr russischen Werken zu. Wolff hatte ein gutes Gespür für Marktlücken. Er erfasste genau die veränderte Situation nach den Reformen von 1861. Ein „Handbuch der Mechanik“ erschien in seiner Druckerei; es folgte pädagogische Literatur. Der unumschränkte Herrscher der Literatur
Nun gehörten zum Unternehmen zwei Buchhandlungen am Newski Prospekt und zwei in Moskau; 700 Personen arbeiteten in den Buchhandlungen und in den technischen Betrieben. Der Verlagskatalog zählte 4.000 Titel. Wolff hatte sich der Devise verschrieben, „möglichst viele Bücher zu verbreiten, das ganze Land mit einer Riesenmenge Bücher einzudecken“. Er gab Kinder- und Jugendbücher-Reihen heraus, auch Lehrbücher, geisteswissenschaftliche Publikationen und die belletristische Reihe „Berühmte zeitgenössische Autoren“. Das vierbändige etymologische „Wörterbuch der russische Sprache“ von Dahl ist bis heute jedem bekannt, der sich mit der russischen Sprache befasst. Wolff begann die Veröffentlichung der 80.000 Wörter und Begriffe umfassenden Arbeit des oben genannten Sprachwissenschaftlers Ende der 60er Jahre; er plante zugleich die Herausgabe einer auf 20 Bände angelegten Geographie Russlands sowie die Veröffentlichung der historischen Arbeiten von Kostomarow und Darwin, Schlossers „Weltgeschichte“, Thiers „Geschichte der französischen Revolution“, Kuno Fischers „Geschichte der neuen Philosophie“ und die „Logik“ von Mill in einer Übersetzung von Peter Lawrow, nicht zu sprechen von den russischen Klassikern Puschkin, Gogol und vielen anderen. Ein neues Kapitel der Wolff‘schen Familiengeschichte Das Wolff’sche Unternehmen wurde von seinem Sohn bis 1917 in der Traditionslinie des Vaters fortgeführt, dann verließ die Familie das Land. Der Enkel Andreas Wolff lernte in Wiesbaden und bei B. G. Teubner in Leipzig, schließlich arbeitete er von 1926 bis 1929 bei S. Fischer in Berlin. 1931 beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Buchhändler-Familie mit der Eröffnung der „Wolff’schen Bücherei“ in Berlin-Friedenau. |